Lebens und Arbeitsbedingungen

Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter*innen

Die Lebens und Arbeitsbedingungen von Zwangsarbeiter*innen waren recht unterschiedlich und wesentlich abhängig von Einsatzort sowie Nationalität der Arbeiter*innen. Prinzipiell waren die Lebens und Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft jedoch zumeist etwas besser als in der Industrie.

Während die Industriearbeiter*innen in Lagern untergebracht waren, lebten Zwangsarbeiter*innen in der Landwirtschaft zumeist mit auf den Höfen. Dort war die Versorgung zumeist deutlich besser als in den Lagern1 ,zugleich bestand aber auch absolute Abhängigkeit und Ausgeliefertsein gegenüber den Arbeitgeber*innen.2

Auch auf den Höfen unterschieden sich die Bedingungen, abhängig von der Wertigkeit der jeweiligen Nationalität in der NS-Ideologie (in der Polen und sogenannte Ostarbeiter*innen am Niedersten standen)3, als auch in Abhängigkeit von der Weltanschauung, Parteitreue, Menschlichkeit und nicht zuletzt auch dem Mut der jeweiligen Arbeitgeber*innen, die strengen Anweisungen für den Umgang mit den Zwangsarbeiter*innen unterlagen. Vermutlich schon aus Praktibilitätsgründen wurde sich gerade in kleinen Familienbetrieben teilweise nicht an Anweisungen, wie z.B. das vorgeschriebene Einnehmen der Mahlzeiten an getrennten Tischen, gehalten. Da der gesamte Arbeitsalltag geteilt wurde, war es – obwohl verboten – nicht unüblich, dass die Zwangsarbeiter*innen mit am Mittagstisch saßen4.

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Hierauf deutet auch ein Brief des Landrats Dr. Lampe aus Dannenberg aus dem Jahr 1940 hin, in dem er die wichtigen Verhaltensanweisungen gegenüber Zwangsarbeitenden nochmals in einem speziellen Aufruf zusammenfasst und mit den Worten „Das ist meine letzte Warnung. Wer nicht hören will muss fühlen.“ schließt.6

Einige alte Dorfbewohner*innen berichten von freundschaftlichen Verhältnissen und lange nach Ende des Krieges- teilweise bis zum Tod- weiter bestehendem Briefverkehr zu ehemaligen Zwangsarbeiter*innen.

Trotz dieser Berichte bleibt jedoch nicht zu vergessen,dass die Behandlung der Zwangsarbeiter*innen immer vom Wohlwollen des/r Arbeitgeber*in abhing. Durchaus gab es auch viele Bauern, die die rassistische Ideologie des Nationalsozialismus teilten und an ihren Gefangenen willkürlich auslebten.7

Ungeachtet welcher Nationalität, ob als Kriegsgefangene oder sogenannte Zivilarbeiter und unter welchen Bedingungen sie zur Arbeit eingesetzt wurden: Alle Zwangsarbeiter*innen waren Opfer des faschistischen Systems, seiner Rassenideologie und unmenschlichen Verwertungslogik.8

Löhne

Um keine Konkurrenz für deutsche Arbeiter* innen zu schaffen lagen die Lohnkosten, die den Landwirten für die Beschäftigung von Zwangsarbeitenden entstanden, nur unwesentlich unter denen für deutsche Beschäftigte. Die Differenz musste der Arbeitgeber an den Staat abführen.

Die nach Abzug der Kosten für Unterkunft und Verpflegung und diversen anderen Abgaben den Zwangsarbeitenden ausgezahlten Beträge waren minimal und wurden im Krankheitsfall nicht weitergezahlt.9

Auch bei der Lohnzahlung lassen sich große Unterschiede bezüglich Nationalität, Geschlecht und Einsatzgebiet verzeichnen.10

Krankheit und Unfall

Wurden Arbeiter*innen krank wurde der Lohn nicht fortgezahlt – wobei weiterhin Leistungen für Unterkunft und Verpflegung anfielen. Längerfristig arbeitsunfähige Zwangsarbeiter*innen wurden bis ca. 1942 gewöhnlich an die Orte von denen aus sie zugeteilt worden waren. zurückgeschickt. Da die Arbeiter*innen, bereits schwerkrank auf Rückreise geschickt wurden, mangelhaft ernährt und unzureichend behandelt wurden, starben viele bereits unterwegs oder aber zurück am Ort ihrer Entsendung.11 Hierdurch sind den zahlreichen verzeichneten Todesfällen von Zwangsarbeiter*innen eine Vielzahl hinzuzufügen.

Um den Zugverkehr zu entlasten wurden in den späteren Jahren des Krieges kranke Zwangsarbeiter*innen zunächst nicht zurückgeführt. Stattdessen wurde erwogen, mit wie viel Aufwand ihre Arbeitsfähigkeit zumindest begrenzt wieder herstell- und somit ausnutzbar wäre.12 Dazu wurden gesonderte Ausländerkrankenhäuser und Krankensammellager eingerichtet, in denen teilweise jedoch so schlechte Bedingungen herrschten, dass die Menschen dort eher starben, als gesundeten.13

Ab 1942 wurden polnische und sowjetische Zwangsarbeiter*innen, deren Arbeitskraft als nicht wiederherstellbar galt, teilweise Sammelstellen zugeführt und schließlich systematisch ermordet.Dies widerfuhr vor allem Arbeiter*innen, deren Arbeitskraft aufgrund psychischer Erkrankungen nicht mehr ausnutzbar war.14

Die Situation der Frauen

Nochmals schwieriger als für die männlichen Zwangsarbeiter war die Situation für die Zwangsarbeiterinnen. Zwar leisteten sie großteils dieselbe Arbeit wie die Männer, wurden aber schlechter bezahlt15 und waren insbesondere in den Lagern, wo sie von männlichem Wachpersonal bewacht wurden,16 immer auch der Gefahr sexueller Übergriffe ausgesetzt.

Zwangsarbeiterinnen (insbesondere Polinnen und sogenannte Ostarbeiterinnen), die schwanger wurden, waren wurden oftmals zur Abtreibung gezwungen. So sie ihr Kind austrugen, waren sie zumeist dazu gezwungen, ihr Kind in eine sogenannte Ausländerkinderpflegestätte17 zu geben, um ihre Arbeitskraft weiterhin uneingeschränkt in den Dienst der deutschen Betriebe stellen zu können. Die Verhältnisse in den sogenannten Ausländerkinderpflegestätten waren katastrophal, so dass die meisten Kinder innerhalb weniger Monate starben.18Die Todesrate in den „Heimen“ betrug bis zu 90%.19

Für den hiesigen Landkreis sind sogenannte Ausländerkinderpflegestätten in Lefitz, Seerau, Tolstefanz und Liepehöfe bekannt.

siehe auch Seite sogenannate Ausländerkinderpflegestätten

Verbotener“ Umgang

Trotz strikter Verbote kam es immer wieder zu nahen Verhältnissen und auch zu Liebesbeziehungen zwischen Zwangsarbeitern und Deutschen. Wurde eine solche Verbindung entdeckt, zahlten die Zwangsarbeiter dafür zumeist mit dem Leben.20

Dieses Schicksal widerfuhr dem polnischen Zwangsarbeiter Jan Wozniak

siehe biographische Fragmente der am 23.1. 1943, aufgrund des Vorwurfs des sogenannten ” verbotenen Umgangs, am ” Schück” der alten Richtstätte des Amt Wustrow erhängt wurde.

Auch für die deutschen Frauen konnten solche Liebschaften mit Strafen bis zu Lagerhaft enden.21

Dessen ungeachtet bestand für die Zwangsarbeiterinnen hingegen immer auch die Gefahr der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung durch die deutschen Arbeitgeber, die für gewöhnlich nicht geahndet wurden.22

1 http://www.wollheim-memorial.de/de/zwangsarbeit_in_landwirtschaft_und_kleinen_betrieben

2h ttps://www.akweb.de/ak_s/ak434/18.htm

3h ttps://www.zwangsarbeit-archiv.de/zwangsarbeit/zwangsarbeit/zwangsarbeit-hintergrund/index.html

4 Beatrix Herlemann, Bauern im Nationalsozialismus: traditionsverhaftet, eigensinnig, alltagspraktisch, in: Das Hakenkreuz im Saatenfeld,Hrsg. Elke Meyer Hoos, 2013, S.85/86

5 Amstettner Anzeiger vom 18.4.1943

6 Claus Bollbrinker, Claus Füllberg – Stollberg, Zwangsarbeit m Kreis Dannenberg, 1939-1945, in: Das Hakenkreuz im Saatenfeld, Hrsg. Elke Meyer- Hoos, 2013, S.326

7 https://www.akweb.de/ak_s/ak434/18.html

8 http://www.zwangsarbeit-in-goettingen.de/texte/merkblattgross.htm

9 Claus Bollbrinker, Claus Füllberg – Stollberg, Zwangsarbeit im Kreis Dannenberg, in: Das Hakenkreuz im Saatenfeld, Hrsg. Elke Meyer- Hoos, 2013, S.326, 2013

10 https://www.ns-zwangsarbeit.de/alltag-zwangsarbeit/themen/44-mark-fuer-deutsche-5-mark-fuer-russen/

11 https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AH31_ZwangsarbeitBerlin_Fransecky_2003_03_15.pdf

12 https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AH31_ZwangsarbeitBerlin_Fransecky_2003_03_15.pdf, S.77

13 https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AH31_ZwangsarbeitBerlin_Fransecky_2003_03_15.pdf, S.78

14 https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AH31_ZwangsarbeitBerlin_Fransecky_2003_03_15.pdf, S.79

15 www.tollmien.com/zwangsarbeiterinnen.html

16 ebenda

17 ebenda

18 www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/geschichte/auslaendisch/schwangere/index.html

19 Raimond Reiter,Die „Ausländerkinderpflegestätten“ im Kreis Dannenberg, 1943-1945, in: Das Hakenkreuz im Saatfeld,Hrsg.Elke Meyer- Hoos, 2013,S.307

20 http://www.zwangsarbeit-in-goettingen.de/frames/fr_strafen.htm

21 http://www.zwangsarbeit-in-goettingen.de/texte/verbotenerumgang.html